Die KG Roetgen feiert ihr 6x11-jähriges Bestehen. Ein Stück Geschichte fehlt allerdings – die Gaststätte „Zum Hövel“.

VON GÜNTHER SANDER

ROETGEN Über Jahrzehnte war es für Roetgens Karnevalisten in der Gaststätte „Zum Hövel“ gemütlich und bequem. Das war einmal: Wo ehemals die gute Stube stand, wird nun ein „dickes Ding“ genaut. Bei der KG Roetgen, die in diesem Jahr 6 x 11 Jahre alt wird, werden Erinnerungen an schöne Zeiten wach.

2016 schallte das letzte kräftige Alaaf durch die gute Stube, die letzten „jecken Tön“ sind längst verstummt. Bereits im Jhr 2014 hatte die Abrisswelle in Roetgen Einzug gehalten. Der Abriss des Ärztehauses („Schmiddemhaus“) an der Bundestraße bedeutete das Ende mehrerer älterer Häuser, die in der Bevölkerung große Beachtung fanden. So in der Rosentalstraße gleich zwei: Das Schuhhaus Reinartz (Hoch), genannt „Scheßjupp“ und weiter unten das Gebäude „Am Siefchen.“ Alle mussten einer größeren Wohnbebauung weichen.

 

Großes Unverständnis

Was wäre eine Sitzung im „Hövel“ ohne Ordensverleihung für verdiente Personen gewesen? REPROS: GÜNTHER SANDER/ARCHIV FRITZ JANSEN

 


Dabei blieb es nicht. Die Nachricht, dass auch der „Hövel“ weichen muss, war in aller Munde und sorgte für großes Unverständnis. Es gab reichlich Gesprächsstoff im Dorf, den Ortsvereinen saß der Schmerz tief in den Gliedern, wichtige Räumlichkeiten zur Abhaltung von Veranstaltungen waren nicht mehr vorhanden. Ob im Restaurant oder im Sälchen, hier pulsierte das Dorfleben, der „Hövel“ war eine erste Adresse, eine feste Bleibe.

Mit einem Schlag war damit Schluss, eine Ära fand ihr Ende. Rückblick: Man schrieb das Jahr 1954, als der „Hövel“ nach Gründung der KG Roetgen deren Stammlokal wurde. Und das blieb er 62 Jahre lang. Immer am 11.11. eines jeden Jahres endete der närrische Umzug zum Auftakt der Session im „Hövel“. Ein stolzes Heer von Ex-Prinzen fand sich dort ein, wurde namentlich aufgerufen, stürmisch begrüßt, Alaaf-Rufe dröhnten durch den Raum, jede Menge Orden wechselten in froher Runde.

1955 erfuhr der Saal durch einen Umbau gar eine Verdoppelung der Räumlichkeiten. Für die KG Roetgen eine willkommene Gelegenheit, dort Sitzungen und Tanzveranstaltungen abzuhalten. 400 Gäste fanden Platz, amüsierten sich köstlich und zeigten sich zufrieden. Die „gute Stube“ hatte fortan eine wechselvolle Geschichte zu verzeichnen, was den Reigen an Inhabern und Besitzern angeht. Bis 2016 hatte Rainer Zänker das Sagen.

 

Aus Gerüchten wird Ernst

 

Bis aus den anfänglichen Gerüchten bitterer Ernst wurde. Der „Hövel“ stand zum Verkauf. Die Hoffnung, dass es weitergehen würde, zerschlug sich rasch. Nach 62 Jahren „Hövel“ endete für die Karnevalisten sowie für den Heimat- und Geschichtsverein ein gutes Stück Roetgen.

 

Heute kann man deutlich sehen, was an alter Stelle in der Haupt straße passiert: Exklusive Eigentumswohnen befinden sich in der Entstehung. Auf der Baustelle herrscht emsiger Betrieb. Nichts erinnert mehr an den guten, alten „Hövel“, aber in Gedanken ist die Stätte des Frohsinns und der Feierlichkeiten längst noch nicht vergessen.

 

Von Pagen umringt, genießt Prinz Fritz I. (Jansen) vor dem „Hövel“ eine schöne Herrscherzeit.

Ganz Roetgen jubelte

 

 

Erst recht nicht bei der KG Roetgen. Besonders im Jubiläumsjahr werden Erinnerungen wach. An den 19. Dezember 1954, an die Gründung im „Hövel“, wo die Geburtsstunde schlug. Gründungsmitglieder waren unter anderem Leo Knott, Martin Hütten und Hugo Heck. An den 1. Januar 1955, als im „Hövel“ die erste Kappen-sitzung stattfand und sich gleichzeitig eine erste Prinzengarde mit sechs Gardisten formierte. An die Session 1960, wo die KG mit Prinz Artur I. (Recker) die erste Tollität im „Hövel“ proklamierte und es den ersten Rosenmontagsumzug gab. Mit Artur I. in einer Kutsche. Ganz Roetgen jubelte ihm zu.

 

Aus Aachener Zeitung vom 31.1.2020